Zum Inhalt springen
katzenwelt

Trächtige und säugende Katze richtig füttern

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Getigerte Katzenmutter liegt im Gras, ihr Kätzchen steht an ihrem Rücken
Die Säugezeit ist für die Katzenmutter die anstrengendste Phase – ihr Futterbedarf steigt auf ein Mehrfaches
Inhalt8 Abschnitte
  1. Warum trächtige Katzen anders zunehmen als Hündinnen
  2. Welches Futter in der Trächtigkeit
  3. Wie viel eine trächtige Katze frisst
  4. Die Säugezeit: jetzt wird es richtig viel
  5. Nach dem Absetzen
  6. Was eine trächtige Katze nicht bekommen sollte
  7. Wann die Katzenmutter zum Tierarzt muss
  8. Häufige Fragen

Eine trächtige Katze bekommt am besten ein vollwertiges Kittenfutter, und zwar so viel, dass sie gleichmäßig zunimmt. Ihr Bedarf steigt während der rund 63–67 Tage Tragzeit schrittweise an; in der Säugezeit braucht sie je nach Zahl der Kitten zwei- bis dreimal so viel wie sonst. Hungern, Diäten und eigenmächtige Zusätze haben in dieser Zeit nichts im Napf verloren.

Warum trächtige Katzen anders zunehmen als Hündinnen

Bei Hündinnen steigt das Gewicht erst im letzten Drittel der Trächtigkeit deutlich an. Katzen nehmen dagegen von Beginn an nahezu gleichmäßig zu. Ein Teil dieses Zuwachses ist Fettreserve, die sie später für die Milchbildung braucht. Nach der Geburt verliert die Katze einen Teil des Gewichts, in der Säugezeit baut sie die Reserven ab. Eine gesunde Katze liegt nach dem Absetzen der Kitten wieder etwa bei ihrem Ausgangsgewicht.

Das hat eine praktische Folge: Eine trächtige Katze sollte nicht erst im letzten Drittel mehr bekommen, sondern von Anfang an nach Bedarf. Wie Sie eine Trächtigkeit erkennen und wie die Geburt abläuft, steht im Beitrag Trächtige Katze: Dauer, Anzeichen, Geburt.

Welches Futter in der Trächtigkeit

Die Nährstoffleitlinien der FEDIAF fassen Wachstum und Fortpflanzung zu einem gemeinsamen Nährstoffprofil zusammen. Ein Alleinfuttermittel für wachsende Katzen – also ein gutes Kittenfutter – ist deshalb die einfachste Wahl. Es enthält mehr Energie, mehr Eiweiß, mehr Calcium und Phosphor im passenden Verhältnis sowie mehr Taurin und DHA als Futter für erwachsene Katzen. Taurinmangel in der Trächtigkeit ist mit Fehl- und Totgeburten und kümmernden Kitten verbunden, deshalb ist ein vollwertiges Futter hier wichtiger als in jeder anderen Lebensphase.

Stellen Sie am besten zu Beginn der Trächtigkeit um, spätestens um die Mitte, und dann über einige Tage gemischt. Nassfutter liefert zusätzlich Flüssigkeit; frisches Wasser muss immer bereitstehen.

Wie viel eine trächtige Katze frisst

Die FEDIAF nennt für trächtige Katzen einen durchschnittlichen Bedarf von 140 Kilokalorien je Kilogramm metabolischer Körpermasse, gegenüber 100 bei einer aktiven erwachsenen Katze – also rund 40 Prozent mehr. Zum Ende der Tragzeit ist es eher mehr, zu Beginn etwas weniger. Nach dem MSD Veterinary Manual steigt die Futteraufnahme im letzten Drittel im Schnitt um etwa ein Viertel.

In der Praxis bewährt sich:

  1. Mehrere Mahlzeiten oder freier Zugang. Mit wachsendem Bauch passt weniger auf einmal hinein. Trächtige Katzen dürfen ihr Futter nach dem MSD Veterinary Manual zur freien Verfügung haben oder mehrmals täglich bekommen.
  2. Wöchentlich wiegen. Die Katze soll gleichmäßig zunehmen, aber nicht verfetten. Eine sehr dicke Katze hat häufiger eine schwierige Geburt.
  3. Nichts erzwingen. Kurz vor der Geburt fressen viele Katzen weniger. Das ist normal, solange es nur einen Tag betrifft.

Die Säugezeit: jetzt wird es richtig viel

Milch zu bilden ist für eine Katze Schwerstarbeit. Die FEDIAF berechnet den Bedarf säugender Katzen aus Körpergewicht, Zahl der Kitten und Woche der Säugezeit. Der Höhepunkt liegt in der 3. und 4. Woche.

PhaseEnergiebedarf (Richtwert)Fütterung
Trächtigkeitetwa 1,4-facher Bedarf einer aktiven KatzeKittenfutter, mehrere Mahlzeiten
Säugezeit, 1–2 Kittendeutlich erhöhtKittenfutter zur freien Verfügung
Säugezeit, 3 und mehr Kitten, Woche 3–4etwa das Zwei- bis DreifacheKittenfutter zur freien Verfügung, Wasser an mehreren Stellen
nach dem Absetzensinkt über einige Wochen auf Normalbedarfschrittweise zurück auf Erwachsenenfutter

Eine 4 kg schwere Katze mit vier Kitten braucht nach der FEDIAF-Formel in der 3. Säugewoche gut doppelt so viel Energie wie im Normalzustand. Das MSD Veterinary Manual spricht von zwei- bis dreifacher Futtermenge. Lassen Sie das Kittenfutter deshalb in der Säugezeit zur freien Verfügung stehen, stellen Sie Futter und Wasser nah an das Wurflager und frisches Nassfutter mehrmals täglich hin. Nimmt die Mutter in der Säugezeit stark ab, reicht die Energie nicht, und die Tierarztpraxis sollte draufschauen.

Nach dem Absetzen

Ab der 3. bis 4. Woche fressen die Kitten zunehmend mit. Praktisch: Sie fressen dasselbe Kittenfutter wie die Mutter. Mit etwa acht Wochen sind die Kitten in der Regel entwöhnt. Danach sinkt der Bedarf der Mutter; stellen Sie sie über zwei bis drei Wochen schrittweise auf ihr normales Futter und ihre normale Menge zurück, am besten mit der Waage als Kontrolle. Die Kitten sollten mindestens bis zur 12. Woche bei der Mutter bleiben, siehe Katzenbabys: das richtige Alter für die Abgabe.

Was eine trächtige Katze nicht bekommen sollte

  • Zusätzliches Vitamin A, etwa Lebertran oder viel Leber. Die FEDIAF setzt für Futter trächtiger Katzen eine eigene Obergrenze, weil in Versuchen sehr hohe Mengen tödliche Fehlbildungen bei den Kitten verursacht haben.
  • Calcium auf eigene Faust. Ein Alleinfutter enthält genug. Zusätze verschieben das Verhältnis zu Phosphor und helfen nicht gegen den Calciummangel nach der Geburt – sie können die Regulation des Körpers sogar stören.
  • Rohes Fleisch ohne berechnete Ration. Neben Nährstofflücken drohen Keime wie Salmonellen und Parasiten wie Toxoplasmen. Rohes Schweinefleisch ist wegen des Aujeszky-Virus für Katzen immer tabu. Mehr dazu unter BARF für Katzen.
  • Kuhmilch als vermeintlicher Calciumlieferant – sie führt eher zu Durchfall.
  • Medikamente und Wurmkuren ohne Rücksprache. Nicht jedes Mittel ist in der Trächtigkeit zugelassen; welche Entwurmung jetzt passt, weiß die Praxis.

Wann die Katzenmutter zum Tierarzt muss

Sofort in die Praxis, auch nachts, gehört eine säugende Katze, die unruhig wird, hechelt, zittert, steif läuft oder krampft. Das kann eine Eklampsie sein, ein lebensgefährlicher Calciumabfall im Blut, der meist in den ersten Wochen der Säugezeit auftritt. Ebenfalls dringend: Fieber, übel riechender Ausfluss, eine harte, heiße oder verfärbte Milchleiste oder wenn die Katze länger als 24 Stunden nichts frisst. Rufen Sie auch an, wenn die Kitten nicht zunehmen oder ständig schreien – dann reicht die Milch vielleicht nicht.

Die Empfehlung lautet: Stellen Sie die Katze früh in der Trächtigkeit auf ein hochwertiges Kittenfutter um, füttern Sie nach Appetit und Waage, lassen Sie in der Säugezeit Futter frei stehen und verzichten Sie auf Zusätze. Wer keinen weiteren Wurf möchte, bespricht den Zeitpunkt der Kastration mit der Tierarztpraxis.

Häufige Fragen

Ab wann braucht eine trächtige Katze mehr Futter?

Von Anfang an etwas mehr, denn Katzen nehmen in der Trächtigkeit gleichmäßig zu. Füttern Sie nach Appetit und kontrollieren Sie wöchentlich das Gewicht, statt erst im letzten Drittel die Menge zu erhöhen.

Darf eine trächtige Katze normales Futter für erwachsene Katzen fressen?

Für kurze Zeit ist das kein Problem. Über die ganze Trächtigkeit und Säugezeit liefert ein Erwachsenenfutter aber zu wenig Energie und Nährstoffe, vor allem bei einem großen Wurf. Kittenfutter ist die sicherere Wahl.

Wie lange soll die Katzenmutter Kittenfutter bekommen?

Bis die Kitten entwöhnt sind, also meist bis etwa zur 8. Woche. Danach stellen Sie sie über zwei bis drei Wochen auf ihr gewohntes Futter um und reduzieren die Menge nach Gewicht.

Ist es schlimm, wenn die Katze kurz vor der Geburt nicht frisst?

Ein Tag mit wenig Appetit kurz vor der Geburt ist normal. Frisst die Katze länger als 24 Stunden gar nichts oder wirkt sie krank, rufen Sie die Tierarztpraxis an.