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katzenwelt

Warum gähnen Katzen? Was hinter dem großen Maulaufreißen steckt

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Kätzchen gähnt mit weit geöffnetem Maul
Gähnendes Kätzchen – schon ganz junge Katzen gähnen
Inhalt8 Abschnitte
  1. Wie eine Katze gähnt
  2. Aufwachen, Einschlafen, Strecken
  3. Was die Forschung über das Gähnen weiß
  4. Gähnen in angespannten Situationen
  5. Gähnen oder Flehmen?
  6. Wann Gähnen ein Warnzeichen sein kann
  7. Langeweile und Gähnen
  8. Häufige Fragen

Katzen gähnen aus ähnlichen Gründen wie wir: vor allem beim Übergang zwischen Schlafen und Wachsein, oft zusammen mit einem ausgiebigen Strecken. Gähnen ist ein angeborener Reflex, den schon junge Kätzchen zeigen, und fast immer harmlos. Nur wenn eine Katze auffallend oft gähnt und dabei kaut, sabbert oder sich ans Maul fasst, sollte man an Schmerzen im Mund denken.

Wie eine Katze gähnt

Die Katze reißt das Maul weit auf, zieht die Lippen zurück, sodass die Eckzähne voll zu sehen sind, rollt die Zunge ein und atmet tief ein. Oft schließt sie dabei die Augen, legt die Ohren kurz zurück und gibt einen leisen Laut von sich. Dann folgt ein langes Ausatmen, und das Maul schließt sich. Der ganze Vorgang dauert nur wenige Sekunden.

Die imposanten Zähne wirken bedrohlich, sind aber keine Drohung. Eine drohende Katze zeigt die Zähne mit fauchend geöffnetem Maul, angelegten Ohren und angespanntem Körper – ein völlig anderes Bild.

Aufwachen, Einschlafen, Strecken

Am häufigsten gähnen Katzen, wenn sie gerade aufgewacht sind oder sich zum Schlafen zurechtlegen. Katzen schlafen und dösen einen großen Teil des Tages, der Wechsel zwischen den Zuständen findet also oft statt. Typisch ist die Abfolge: aufstehen, gähnen, einen Buckel machen, die Vorderbeine weit nach vorn strecken, dann die Hinterbeine.

Beim Gähnen und Strecken dehnen sich Kiefer-, Hals- und Rumpfmuskeln, Herzfrequenz und Blutdruck steigen kurz an. Das spricht dafür, dass Gähnen den Körper auf einen Zustandswechsel vorbereitet – vom Ruhen zur Aktivität oder umgekehrt. Wie im Tierpark beobachtet wurde, gähnen auch große Raubkatzen häufig vor den Fütterungszeiten, also vor einer erwarteten Aktivität.

Katze gähnt in ihrer Hängematte
Gähnen gehört für Katzen zum Aufwachen und Einschlafen

Was die Forschung über das Gähnen weiß

Lange hieß es, Gähnen versorge das Gehirn mit zusätzlichem Sauerstoff. Das ist beim Menschen experimentell widerlegt: Wer mehr Sauerstoff oder mehr Kohlendioxid einatmet, gähnt deshalb weder weniger noch mehr. Schon Charles Darwin beschrieb das Gähnen, ohne ihm einen klaren Zweck zuordnen zu können.

Heute werden vor allem diese Erklärungen diskutiert:

  • Wechsel der Wachheit: Gähnen tritt gehäuft an Übergängen auf und könnte helfen, die Aufmerksamkeit neu auszurichten.
  • Kühlung des Gehirns: Nach einer Hypothese strömt beim tiefen Einatmen kühleres Blut zum Kopf. Belegt ist das bisher vor allem für Menschen und einige andere Arten, nicht speziell für Katzen.
  • Dehnung und Kreislauf: Die kräftige Muskelbewegung fördert die Durchblutung von Kopf und Kiefer.

Keine dieser Erklärungen ist abschließend bewiesen, und wahrscheinlich spielt mehr als ein Mechanismus mit. Sicher ist nur: Gähnen ist ein uralter, angeborener Reflex, den fast alle Wirbeltiere zeigen.

Gähnen in angespannten Situationen

Manche Katzen gähnen auffällig in Situationen, die sie verunsichern: auf dem Behandlungstisch, bei einer Begegnung mit einer fremden Katze am Fenster, nach einem Streit mit einem Mitbewohner. Verhaltensforscher deuten das als sogenanntes Übersprungverhalten – eine Handlung, die in einem inneren Konflikt auftritt, ähnlich wie ein plötzliches Putzen. Achten Sie in solchen Momenten auf die übrige Körpersprache: angelegte Ohren, große Pupillen, zuckender Schwanz oder eine geduckte Haltung zeigen, dass der Katze gerade nicht nach Entspannung ist. Wie Sie einer ängstlichen Katze den Praxisbesuch erleichtern, steht unter Wenn die Katze Angst vor dem Tierarzt hat.

Ob Katzen sich wie Menschen vom Gähnen anstecken lassen, ist unklar. Für Hunde und einige Affenarten gibt es Hinweise darauf, für Katzen fehlen belastbare Untersuchungen. Die oft gelesene Behauptung, Kater gähnten, um ihren Rang zu zeigen, ist nicht belegt.

Gähnen oder Flehmen?

Nicht jedes offene Maul ist ein Gähnen. Beim Flehmen hält die Katze das Maul leicht geöffnet, zieht die Oberlippe hoch, rümpft die Nase und verharrt einige Sekunden mit einem fast angewiderten Gesichtsausdruck. Dabei leitet sie Duftstoffe zum Jacobson-Organ am Gaumen, einem zusätzlichen Sinnesorgan für Gerüche wie Urinmarken anderer Katzen. Flehmen sieht man oft, wenn eine Katze an einer Stelle geschnuppert hat, an der ein anderes Tier war. Es ist genauso harmlos wie Gähnen, hat aber einen ganz anderen Zweck.

Wann Gähnen ein Warnzeichen sein kann

Häufiges Gähnen allein ist kein Krankheitszeichen. Auffällig wird es, wenn eine Katze deutlich öfter gähnt als früher und zusätzlich:

  • beim Fressen zögert, nur auf einer Seite kaut oder Futter fallen lässt,
  • sabbert, Mundgeruch hat oder mit der Pfote am Maul reibt,
  • das Maul nicht ganz schließen kann oder Schmerzen beim Öffnen zeigt,
  • matt wirkt, weniger frisst oder sich zurückzieht.

Dann können Zahnschmerzen, eine Entzündung im Maul, ein Fremdkörper oder ein Problem am Kiefergelenk dahinterstecken. Katzen verbergen Schmerzen gut, und Zahnerkrankungen sind bei erwachsenen Katzen sehr häufig. Lassen Sie das Maul in den nächsten Tagen vom Tierarzt ansehen. Mehr dazu unter Katze sabbert und Katzengebiss.

Sofort in die Praxis gehört eine Katze, die mit offenem Maul atmet, nach Luft schnappt oder dabei bläuliche Schleimhäute hat. Das ist kein Gähnen, sondern Atemnot.

Langeweile und Gähnen

Eine gelangweilte Katze gähnt vielleicht öfter, weil sie mehr döst. Das Gähnen selbst ist dann nicht das Problem, wohl aber ein Alltag ohne Anregung. Besonders Wohnungskatzen brauchen tägliche Spielzeiten, Kletter- und Aussichtsplätze und Aufgaben für Nase und Pfoten. Anregungen finden Sie unter Katzen beschäftigen und Katzen Intelligenzspielzeug. Unsere Empfehlung: Freuen Sie sich über das nächste herzhafte Gähnen – und werden Sie nur hellhörig, wenn Gähnen, Kauen und Sabbern zusammenkommen.

Häufige Fragen

Ist es ein gutes Zeichen, wenn meine Katze mich angähnt?

Meist schon. Gähnt Ihre Katze entspannt in Ihrer Nähe, blinzelt langsam und streckt sich, fühlt sie sich offensichtlich sicher genug, um die Deckung fallen zu lassen. Eine Botschaft im engeren Sinn ist das Gähnen aber wohl nicht.

Gähnen Kitten mehr als erwachsene Katzen?

Kitten schlafen besonders viel und wechseln entsprechend oft zwischen Schlaf und Wachsein, deshalb sieht man sie häufig gähnen. Das ist normal. Das Gähnen ist angeboren und muss nicht gelernt werden.

Können Katzen beim Gähnen eine Kiefersperre bekommen?

Selten kann sich der Unterkiefer beim weiten Öffnen verhaken, sodass die Katze das Maul nicht mehr schließen kann. Das ist schmerzhaft und ein Fall für den Tierarzt noch am selben Tag. Versuchen Sie nicht, das Maul selbst zuzudrücken.