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katzenwelt

Naturkratzbaum und Kratzbaum aus Holz: Worauf es ankommt

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Ein Naturkratzbaum aus Naturfasern
Ein Naturkratzbaum aus Naturfasern
Inhalt12 Abschnitte
  1. Was einen Naturkratzbaum ausmacht
  2. Was er besser kann als ein Pressspan-Kratzbaum
  3. Natur heißt nicht automatisch allergiefrei
  4. Holzarten: was geht und was tabu ist
  5. Die Bauarten im Vergleich
  6. Bananenblatt, Wasserhyazinthe und Seegras
  7. Worauf Sie beim Kauf achten sollten
  8. Den richtigen Platz finden
  9. Selbst bauen: Ast und Bodenplatte
  10. Pflege, damit er viele Jahre hält
  11. Unsere Empfehlung
  12. Häufige Fragen

Ein Naturkratzbaum besteht aus echten Stämmen und Ästen, oft mit Rinde, statt aus Pressspanplatten und Pappröhren mit Sisal. Er ist schwerer, standfester und hält meist viele Jahre, kostet dafür aber deutlich mehr. Ob er zu Ihrer Katze passt, hängt weniger vom „Natur“-Etikett ab als von Holzart, Verarbeitung und einem Stamm, an dem sich die Katze wirklich strecken kann.

Was einen Naturkratzbaum ausmacht

Unter dem Begriff laufen im Handel drei recht verschiedene Dinge:

  • Kratzbäume aus echten Ästen. Ein gewachsener Stamm mit Seitenästen wird auf eine schwere Bodenplatte montiert, dazu kommen Liegebretter oder Körbe. Jedes Stück sieht anders aus, viele Anbieter fertigen auf Maß.
  • Kratzbäume aus Massivholz im Möbelstil. Glatte Bretter und Kanthölzer, oft mit Sisalseil umwickelt, gebaut wie ein Regal. Sie sehen weniger nach Wald aus, sind aber ebenso stabil.
  • Modelle mit Naturgeflecht. Liegekörbe und Höhlen aus Bananenblatt, Wasserhyazinthe, Seegras oder Rattan auf einem Gestell aus Holz oder Pressspan.

Ein Kratzbaum „aus Holz“ ist dabei nicht immer aus Vollholz. Viele günstige Modelle bestehen aus MDF- oder Spanplatten mit Holzfurnier und Pappröhren. Das ist nicht verwerflich, aber es ist etwas anderes. Den Unterschied erkennen Sie an der Materialangabe und am Gewicht: Ein Naturkratzbaum mit Massivstamm wiegt bei gleicher Größe oft ein Vielfaches.

Ein echter Naturkratzbaum
Kratzbaum aus einem gewachsenen Stamm mit Ästen und Liegeflächen

Was er besser kann als ein Pressspan-Kratzbaum

Katzen kratzen, um alte Krallenhüllen abzustreifen, sich zu strecken und ihr Revier mit Duft aus den Pfotendrüsen und sichtbaren Spuren zu markieren. Dafür brauchen sie eine Fläche, die fest steht, nicht nachgibt und lang genug ist, dass sie sich voll strecken können. Genau hier liegt die Stärke eines Naturkratzbaums: Ein massiver Stamm auf einer schweren Platte wackelt nicht, auch wenn eine große Katze mit Anlauf hineinspringt. Wackelnde Kratzbäume werden dagegen oft gemieden, und dann muss das Sofa herhalten.

Rinde ist zudem eine Kratzfläche, die draußen jede Katze kennt. Manche Katzen, die Sisal verschmähen, nehmen einen Stamm mit rauer Rinde sofort an. Und weil nichts aus Pappe besteht, muss bei einem guten Naturkratzbaum nach ein, zwei Jahren keine zerfetzte Röhre ersetzt werden, höchstens die Liegepolster. Welche Rolle Standfestigkeit und Größe allgemein spielen, lesen Sie unter Kratzbaum für Katzen.

Natur heißt nicht automatisch allergiefrei

Oft wird behauptet, ein Naturkratzbaum schütze allergische Katzen, weil Spielzeug aus Industrieproduktion Allergien auslöse. Dafür gibt es keinen Beleg. Katzen reagieren am häufigsten auf Flohspeichel, Futterbestandteile und Umweltallergene wie Hausstaubmilben und Pollen. Gerade ein Naturmaterial kann selbst Probleme machen: Rinde und Geflecht halten Staub, feuchtes Holz kann schimmeln, und ein frisch geschnittener Ast bringt unter Umständen Insekten oder Pilzsporen mit ins Haus.

Das heißt nicht, dass Naturkratzbäume schlecht wären. Es heißt nur: Wer eine Katze mit Allergie hat, trifft die Wahl nach Reinigbarkeit, nicht nach dem Etikett. Juckt, niest oder kratzt sich Ihre Katze auffällig, gehört das zum Tierarzt, siehe Pollenallergie bei Katzen.

Holzarten: was geht und was tabu ist

Katzen kauen gelegentlich an Rinde und Ästen. Deshalb zählt die Holzart. Nicht in einen Kratzbaum gehören zum Beispiel Eibe, Thuja (Lebensbaum), Goldregen und die Rinde der Robinie – sie sind giftig. Seriöse Anbieter verwenden meist heimische Hölzer und nennen die Art auf Nachfrage. Tun sie das nicht, kaufen Sie woanders.

Worauf Sie außerdem achten sollten:

  • Trocken und entrindet oder mit fester Rinde. Lose, blätternde Rinde bricht ab und landet im Maul. Gut getrocknetes Holz reißt später weniger.
  • Keine Splitter, keine scharfen Aststümpfe. Ränder und Schnittstellen sollten geschliffen sein.
  • Unbehandelt oder speichelfest behandelt. Ist Holz geölt oder lackiert, sollte der Hersteller eine für Kinderspielzeug geeignete Oberfläche (etwa nach der Spielzeugnorm DIN EN 71-3) angeben.
  • Kein Befall. Bohrlöcher, Holzmehl oder Schimmelflecken sind ein Grund zur Reklamation.

Giftige Pflanzen im Haus sind übrigens das größere Risiko als der Kratzbaum. Eine Übersicht finden Sie unter Giftige Pflanzen für Katzen.

Die Bauarten im Vergleich

BauartStärkenSchwächenPasst für
Echte Äste mit RindeSehr standfest, natürliche Kratzfläche, Einzelstück, oft auf MaßTeuer, schwer, Rinde nutzt sich ab, Staub in RitzenGroße und schwere Katzen, Mehrkatzenhaushalt
Massivholz im MöbelstilStabil, glatte Flächen leicht zu reinigen, Sisal austauschbarWeniger Kletterreiz, teurer als PressspanWohnräume, in denen der Kratzbaum wie ein Möbel wirken soll
Pressspan mit HolzfurnierGünstig, leicht, große AuswahlWackelt eher, Pappröhren verschleißen, Feuchtigkeit lässt Platten aufquellenKleine, leichte Katzen und kleines Budget
Gestell mit NaturgeflechtBeliebte Liegekörbe, schöne OptikGeflecht ist keine Kratzfläche, lose Fasern werden angeknabbertAls Ergänzung zu einer guten Kratzfläche

Bananenblatt, Wasserhyazinthe und Seegras

Kratzbäume mit geflochtenen Körben aus Bananenblatt oder Wasserhyazinthe sind beliebt, weil sie wohnlich aussehen und Katzen gern darin liegen. Die Körbe sind luftig, weich genug und lassen sich mit einem Kissen auspolstern. Als Kratzfläche taugt das Geflecht aber nur bedingt: Die Fasern reißen mit der Zeit, und manche Katzen ziehen einzelne Halme heraus und kauen darauf. Achten Sie deshalb darauf, dass der Baum zusätzlich einen festen Stamm mit Sisal oder Rinde hat.

Dass Bananenblatt besonders wetterfest sei, wie es oft heißt, stimmt so nicht. Pflanzenfasern nehmen Feuchtigkeit auf und können schimmeln. Solche Kratzbäume gehören in den Innenraum oder auf einen überdachten, trockenen Platz. Für draußen eignen sich andere Materialien, mehr dazu unter Outdoor-Kratzbaum.

Kratzbäume aus Banana Leaf sind im Trend
Liegekorb aus geflochtenem Bananenblatt an einem Kratzbaum

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

  1. Stammhöhe und -dicke. Mindestens ein Kratzbereich sollte so lang sein, dass sich Ihre Katze stehend voll ausstrecken kann. Für große Katzen heißt das eher 90 cm als 50 cm.
  2. Bodenplatte und Gewicht. Je höher der Baum, desto breiter und schwerer muss die Platte sein. Bei hohen Modellen ist eine zusätzliche Wandbefestigung sinnvoll.
  3. Liegeflächen. Mindestens eine Liegefläche sollte so groß sein, dass sich Ihre Katze darauf ausstrecken kann, bei großen Rassen gern 50 cm und mehr in der Länge.
  4. Waschbare Polster. Bezüge mit Klettband oder Reißverschluss, die in die Waschmaschine dürfen, erleichtern die Pflege sehr.
  5. Ersatzteile. Lassen sich Sisal, Polster oder Körbe nachkaufen, lebt der Baum deutlich länger.
  6. Holzart und Oberfläche. Fragen Sie nach, wenn nichts angegeben ist, siehe oben.

Naturkratzbäume aus echten Ästen kosten meist deutlich mehr als Pressspan-Modelle, für mittelgroße Bäume sollten Sie grob mit 150 bis 500 Euro rechnen, Maßanfertigungen liegen darüber. Massivholz im Möbelstil beginnt etwas günstiger.

Den richtigen Platz finden

Ein Kratzbaum wird am besten angenommen, wo die Katze ohnehin viel Zeit verbringt und Überblick hat: im Wohnzimmer, am Fenster, in der Nähe der Menschen. Ein abgelegenes Zimmer mag ruhig sein, wird aber oft ignoriert. Stellen Sie ihn nicht direkt neben Futter oder Katzenklo. Hat Ihre Katze schon ein Lieblingsmöbel zum Kratzen, stellen Sie den neuen Baum genau dorthin. Wer wenig Stellfläche hat, findet unter Wandkratzbaum und Kratzbaum deckenhoch platzsparende Lösungen.

Selbst bauen: Ast und Bodenplatte

Einen Naturkratzbaum können Sie mit etwas Geschick selbst bauen. Sie brauchen einen kräftigen, gut getrockneten Stamm, eine schwere Bodenplatte aus Massivholz oder Multiplex und Liegebretter. Frisch geschnittenes Holz sollte mehrere Monate trocken und luftig lagern, damit es nicht reißt oder schimmelt. Holz aus dem Wald dürfen Sie nur mit Erlaubnis des Waldbesitzers mitnehmen. Prüfen Sie Rinde und Schnittflächen auf Bohrlöcher und Befall, verschrauben Sie Stamm und Platte von unten und testen Sie die Standfestigkeit mit kräftigem Rütteln, bevor die Katze hinauf darf.

Katze auf der Terrasse auf einem Naturkratzbaum
Katze auf einem Naturkratzbaum auf der Terrasse

Pflege, damit er viele Jahre hält

Saugen Sie Rinde und Ritzen regelmäßig ab, dort sammeln sich Haare, Staub und gelegentlich Flohlarven. Polster waschen Sie je nach Nutzung alle paar Wochen. Abgewetzte Rinde ist normal und kein Mangel; wird der Stamm glatt und uninteressant, hilft eine zusätzliche Sisalwicklung. Kontrollieren Sie Schrauben und Verbindungen zweimal im Jahr. Ein Naturkratzbaum aus Massivholz, der gut gepflegt wird, kann tatsächlich mehrere Katzenleben lang halten.

Unsere Empfehlung

Für große, schwere oder wilde Katzen und für Haushalte mit mehreren Tieren lohnt sich ein Naturkratzbaum aus echtem Stamm oder Massivholz: Er steht fest, hält lange und wird gern angenommen. Zahlen Sie für Stabilität und eine bekannte, ungiftige Holzart, nicht für das Wort „Natur“. Geflochtene Körbe sind eine schöne Zugabe, ersetzen aber keine echte Kratzfläche. Für eine kleine, leichte Katze tut es auch ein solides Pressspan-Modell, ergänzt um eine Kratzsäule.

Häufige Fragen

Kann ein Naturkratzbaum auch draußen stehen?

Nur bedingt. Rinde und unbehandeltes Holz verwittern, Polster und Geflecht saugen sich voll und schimmeln. Ein überdachter Platz auf der Terrasse geht für die warme Jahreszeit. Für ganzjährig draußen gibt es eigene Outdoor-Kratzbäume aus wetterfestem Holz oder Kunststoff.

Hilft ein Naturkratzbaum gegen Allergien bei Katzen?

Dafür gibt es keinen Beleg. Allergien bei Katzen gehen meist auf Flohspeichel, Futter oder Umweltallergene zurück. Wichtig ist, dass sich der Kratzbaum gut reinigen lässt. Zeigt Ihre Katze Juckreiz, Niesen oder kahle Stellen, klärt das der Tierarzt.

Meine Katze nagt an der Rinde – ist das gefährlich?

Kleine Mengen Rinde von ungiftigen heimischen Hölzern sind in der Regel harmlos. Frisst Ihre Katze größere Stücke, sollten Sie lose Rinde entfernen. Erbricht sie danach wiederholt, frisst sie nicht mehr oder wirkt sie matt, muss sie zum Tierarzt.

Wie erkenne ich, ob ein Kratzbaum wirklich aus Massivholz ist?

An der Materialangabe (Vollholz oder Massivholz statt MDF, Spanplatte, Furnier), am Gewicht und an den Kanten: Bei furnierten Platten sieht man an Schnittkanten und Bohrlöchern die gepressten Späne.