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katzenwelt

Katzenrassen für Anfänger: Welche wirklich unkompliziert sind

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Graue Katze und Kater auf dem Boden
Graue Katze und Kater auf dem Boden
Inhalt11 Abschnitte
  1. Was eine Katze einsteigerfreundlich macht
  2. Die Rassen im Überblick
  3. Europäisch Kurzhaar und Hauskatze
  4. Britisch Kurzhaar: gelassen und pflegeleicht
  5. Ragdoll und Birma: sanft und menschenbezogen
  6. Maine Coon und Norwegische Waldkatze: freundliche Riesen
  7. Siam, Orientalen, Bengal: nur mit Erfahrung und Zeit
  8. Perser und Qualzuchten: keine Einsteigerkatzen
  9. Worauf Sie beim Züchter achten
  10. Allein oder zu zweit?
  11. Häufige Fragen

Für Anfänger eignen sich vor allem ruhige, anpassungsfähige Katzen mit pflegeleichtem Fell: die Europäisch Kurzhaar bzw. die Hauskatze, die Britisch Kurzhaar, die Ragdoll, die Birma und die Russisch Blau. Sehr aktive Rassen wie Bengal oder Siam, pflegeintensive Langhaarkatzen wie der Perser und Rassen mit Qualzuchtmerkmalen sind für den Einstieg weniger geeignet. Wichtiger als jede Rasse ist aber der Charakter der einzelnen Katze.

Was eine Katze einsteigerfreundlich macht

Eine gute Einsteigerkatze ist gelassen, kommt mit normalem Alltag zurecht, fordert nicht ständig Beschäftigung ein, hat ein pflegeleichtes Fell und ist robust gesund. Diese Eigenschaften hängen stärker vom einzelnen Tier ab als von der Rasse. Rassebeschreibungen sind Tendenzen – eine Britisch Kurzhaar kann ein Wirbelwind sein, eine Hauskatze ein Ruhepol.

Deshalb der wichtigste Tipp vorweg: Wer zum ersten Mal eine Katze hält, fährt mit einer erwachsenen Katze, deren Charakter bekannt ist, am sichersten. Wie Sie grundsätzlich die passende Katze finden, steht unter Welche Katze passt zu mir?.

Die Rassen im Überblick

RasseWesenPflegeFür Anfänger
Europäisch Kurzhaar / Hauskatzeanpassungsfähig, individuell sehr verschiedengeringsehr gut
Britisch Kurzhaarruhig, gelassen, eher unaufdringlichgeringsehr gut
Ragdollsanft, menschenbezogenmittelgut
Birmafreundlich, anhänglich, ruhigmittelgut
Russisch Blauzurückhaltend, sanftgeringgut
Maine Coonfreundlich, verspielt, großmittelgut bei viel Platz
Norwegische Waldkatzeaktiv, kletterfreudigmittelbedingt
Siamsehr gesprächig, forderndgeringeher nicht
Bengalsehr aktiv, braucht viel Beschäftigunggeringeher nicht
Perserruhigsehr hocheher nicht

Europäisch Kurzhaar und Hauskatze

Die Europäisch Kurzhaar ist die gezüchtete Form der europäischen Hauskatze; die Fédération Internationale Féline (FIFe) hat sie 1982 als eigene Rasse anerkannt. Die meisten Katzen in Tierheimen sind Hauskatzen ohne Stammbaum – genetisch gemischt, meist robust und in jeder Farbe und jedem Charakter zu haben. Pflegeleicht ist ihr kurzes Fell ohnehin.

Für Anfänger ist eine erwachsene Hauskatze aus dem Tierheim oft die beste Wahl: Die Mitarbeitenden wissen, ob sie verschmust, ruhig, kinderfreundlich oder lieber allein ist. Worauf Sie bei der Auswahl achten, steht unter Katze aus dem Tierheim.

Britisch Kurzhaar: gelassen und pflegeleicht

Die Britisch Kurzhaar ist kompakt, rundköpfig und hat ein dichtes, plüschiges Fell. Sie gilt als ruhig, ausgeglichen und nicht aufdringlich – eine Katze, die gern in der Nähe ist, aber nicht dauernd auf dem Schoß sitzen will. Das macht sie zu einer beliebten Einsteigerkatze.

Worauf man achten sollte: Britisch Kurzhaar neigen zu Übergewicht, brauchen also abgemessene Portionen und tägliches Spiel. In der Rasse kommen erbliche Erkrankungen wie die Herzmuskelerkrankung HCM und die polyzystische Nierenerkrankung PKD vor. Ein seriöser Züchter kann Untersuchungen der Elterntiere vorlegen.

Ragdoll und Birma: sanft und menschenbezogen

Die Ragdoll entstand in den 1960er-Jahren in Kalifornien. Sie ist groß, halblanghaarig und bekannt dafür, sich beim Hochnehmen entspannt hängen zu lassen. Ragdolls gelten als freundlich, ruhig und stark auf ihre Menschen bezogen; sie sind deshalb weniger glücklich, wenn sie viel allein sind. Das Fell verfilzt weniger als beim Perser, braucht aber regelmäßiges Kämmen. Auch hier ist HCM ein Thema.

Die Birma, auch Heilige Birma genannt, hat blaue Augen, eine Point-Zeichnung und weiße „Handschuhe“ an allen vier Pfoten. Sie ist freundlich, anhänglich und eher ruhig. Ihr halblanges Fell hat wenig Unterwolle und ist vergleichsweise pflegeleicht. In einer britischen Auswertung von Tierarztdaten gehörte die Birma zu den Rassen mit der höchsten Lebenserwartung.

Maine Coon und Norwegische Waldkatze: freundliche Riesen

Die Maine Coon stammt aus dem US-Bundesstaat Maine und gehört zu den größten Hauskatzenrassen. Kater wiegen oft 6 bis 9 kg und wachsen bis zu vier Jahre. Sie gelten als freundlich, verspielt und gesellig, brauchen aber Platz, stabile Kratzbäume und viel Beschäftigung. Rassetypisch sind HCM, Hüftgelenksdysplasie und die spinale Muskelatrophie SMA, für die es Gentests gibt.

Die Norwegische Waldkatze ist ähnlich groß und robust, aber oft aktiver und kletterfreudiger. Für Anfänger mit Zeit und Platz passt sie gut, in einer kleinen Wohnung ohne gesicherten Balkon wird es ihr leicht zu eng. Mehr große Rassen finden Sie unter Große Katzenrassen.

Siam, Orientalen, Bengal: nur mit Erfahrung und Zeit

Die Siamkatze ist schlank, elegant und berühmt für ihre laute, ausdauernde Stimme. Ihre Kitten kommen fast weiß zur Welt; die dunklen Abzeichen an Gesicht, Ohren, Pfoten und Schwanz entwickeln sich erst, weil die Fellfarbe temperaturabhängig ist. Siamkatzen fordern Aufmerksamkeit ein und sind ungern allein – wunderbar für Menschen, die das wollen, anstrengend für alle anderen.

Die Bengal ist keine asiatische Landrasse, sondern entstand in den USA aus Kreuzungen von Hauskatzen mit der wild lebenden Asiatischen Leopardkatze. Sie ist extrem aktiv, neugierig, springt hoch und will beschäftigt werden. Langweilt sie sich, sucht sie sich selbst Aufgaben, und die gefallen ihren Menschen selten. Für den Einstieg ist sie keine gute Wahl.

Perser und Qualzuchten: keine Einsteigerkatzen

Der Perser ist vom Wesen her ruhig und freundlich, aber sein langes, dichtes Fell muss täglich gekämmt werden, sonst verfilzt es. Hinzu kommt die Zucht auf extrem flache Gesichter: Viele Perser leiden unter Atemnot, tränenden Augen und Zahnfehlstellungen. Solche Merkmale gelten nach § 11b Tierschutzgesetz als Qualzucht. Wenn es ein Perser sein soll, dann nur mit deutlich erkennbarer Nase.

Von Scottish Fold und anderen Faltohrkatzen, Munchkins mit verkürzten Beinen und Nacktkatzen ohne Tasthaare raten wir grundsätzlich ab. Die Merkmale, die sie „besonders“ machen, gehen auf Erbkrankheiten zurück oder nehmen den Tieren wichtige Sinnesorgane und Schutz. Mehr dazu unter Schottische Faltohrkatze.

Worauf Sie beim Züchter achten

Wer eine Rassekatze möchte, sollte beim Züchter auf einige Punkte bestehen:

  1. Stammbaum eines anerkannten Vereins. Ohne Papiere gibt es keine Nachweise über Abstammung und Gesundheit.
  2. Gesundheitsnachweise der Elterntiere. Je nach Rasse etwa Herzultraschall auf HCM, Gentests auf PKD oder SMA.
  3. Aufzucht im Haus. Die Kitten wachsen in der Familie auf, Sie sehen die Mutter.
  4. Abgabe nicht vor der 12. Woche, geimpft, entwurmt, gechippt und mit Kaufvertrag.
  5. Ein Züchter, der fragt. Wer Ihnen ohne Rückfragen sofort ein Kitten verkauft, hat andere Prioritäten.
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Auch Anfänger haben die Wahl zwischen verschiedenen, einfach zu haltenden Katzen

Allein oder zu zweit?

Katzen sind keine Rudeltiere im engeren Sinn, aber viele sind gern mit Artgenossen zusammen. Junge Katzen, die ausschließlich in der Wohnung leben, halten Sie am besten zu zweit. Gerade sehr menschenbezogene Rassen wie Ragdoll oder Siam leiden, wenn sie viele Stunden allein sind. Ein eingespieltes Paar aus dem Tierheim nimmt Anfängern die schwierige Vergesellschaftung ab.

Unsere Empfehlung für Einsteiger: eine erwachsene, ruhige Hauskatze oder zwei junge Katzen, die sich schon kennen, aus dem Tierheim. Wenn es eine Rassekatze sein soll, dann eine gelassene Rasse von einem Züchter, der Gesundheitsnachweise vorlegt.

Häufige Fragen

Ist eine Rassekatze pflegeleichter als eine Hauskatze?

Nein. Hauskatzen ohne Stammbaum sind im Durchschnitt mindestens so robust wie Rassekatzen, weil sie genetisch vielfältiger sind. Rassekatzen bringen dafür vorhersehbarere Merkmale mit – im Guten wie im Schlechten.

Welche Rasse haart am wenigsten?

Katzen mit wenig Unterwolle wie Russisch Blau, Siam oder die Rex-Rassen verlieren weniger sichtbare Haare. Allergikergeeignet sind sie deshalb nicht automatisch. Mehr dazu unter Katzenrassen, die wenig haaren.

Sind Kater oder Katzen für Anfänger besser?

Nach der Kastration ist der Unterschied gering. Kater gelten oft als etwas verschmuster, Katzen als eigenständiger, aber der individuelle Charakter wiegt schwerer als das Geschlecht.

Ist die Maine Coon wirklich eine Anfängerkatze?

Vom Wesen her ja, sie ist meist freundlich und unkompliziert. Sie braucht aber viel Platz, große und stabile Möbel, viel Futter und hat einige rassetypische Erkrankungen. Wer das einplant, kann auch als Anfänger mit ihr glücklich werden.