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katzenwelt

Katze niest: Harmlose Ursachen und wann zum Tierarzt

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Eine Katze niest kräftig
Wenn die Katze niest, gibt es verschiedene Ursachen
Inhalt8 Abschnitte
  1. Wann Niesen harmlos ist
  2. Katzenschnupfen: die häufigste ernste Ursache
  3. Weitere Ursachen im Überblick
  4. Was Sie selbst tun können
  5. Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
  6. Was der Tierarzt untersucht
  7. Vorbeugen
  8. Häufige Fragen

Niest eine Katze gelegentlich, hat sie meist nur Staub, einen starken Geruch oder trockene Heizungsluft in die Nase bekommen – das ist harmlos. Niest sie dagegen über Tage, läuft ihr die Nase oder tränen die Augen, steckt meist eine Infektion dahinter, in den allermeisten Fällen Katzenschnupfen. Dann gehört sie zum Tierarzt.

Wann Niesen harmlos ist

Katzen haben eine empfindliche Nase, und Niesen ist ein Schutzreflex, der Fremdstoffe hinausbefördert. Ein paar Nieser am Tag, sonst eine muntere Katze mit sauberer Nase und klaren Augen, die normal frisst: Das ist kein Grund zur Sorge.

Typische harmlose Auslöser:

  • Staub, etwa beim Staubsaugen, Bettenmachen oder aus staubender Katzenstreu
  • Duftstoffe wie Raumspray, Parfüm, Duftkerzen, Weichspüler oder Putzmittel
  • Rauch von Zigaretten oder Kaminfeuer
  • trockene Heizungsluft im Winter
  • kurzzeitig nach dem Schnüffeln an Pflanzen oder im Gebüsch

Hier hilft es, den Auslöser zu meiden: staubarme Streu, Staubsaugen, wenn die Katze im Nebenraum ist, keine Raumsprays und Duftöle, regelmäßiges Stoßlüften. Eine Luftfeuchtigkeit im üblichen Wohnbereich von etwa 40 bis 60 Prozent tut Mensch und Tier gut.

Katzenschnupfen: die häufigste ernste Ursache

Katzenschnupfen ist keine Erkältung im menschlichen Sinn, sondern eine ansteckende Infektion der oberen Atemwege. Beteiligt sind vor allem das Feline Herpesvirus (FHV-1) und das Feline Calicivirus (FCV), oft zusammen mit Bakterien wie Chlamydien oder Bordetellen. Die Erreger werden über Nasen- und Augensekret, Speichel und gemeinsam genutzte Näpfe übertragen, auch über die Kleidung und Hände von Menschen.

Anzeichen sind wiederholtes Niesen, zunächst klarer, später gelblicher Nasenausfluss, tränende oder verklebte Augen, Fieber, Mattigkeit und Appetitlosigkeit. Bei Calicivirus kommen oft Geschwüre im Maul hinzu, die Katze sabbert und frisst schlecht. Besonders gefährdet sind Kitten, alte Katzen und Tiere aus Tierheimen oder großen Beständen.

Das Herpesvirus bleibt nach einer Infektion lebenslang im Körper. In Stresssituationen kann es wieder aufflammen, manche Katzen behalten einen chronischen Schnupfen. Deshalb zählt die Impfung gegen Katzenschnupfen nach der Leitlinie der StIKo Vet zu den Kernimpfungen für jede Katze, auch für reine Wohnungskatzen. Sie verhindert nicht jede Ansteckung, macht den Verlauf aber deutlich milder. Mehr dazu unter Katzen impfen und Katze erkältet.

Weitere Ursachen im Überblick

UrsacheTypische Hinweise
Fremdkörper (Grashalm, Granne)Plötzliches, heftiges Niesen, Kopfschütteln, Reiben an der Nase, oft einseitiger Ausfluss
ZahnproblemeEine entzündete Zahnwurzel im Oberkiefer kann bis in die Nase reichen; Mundgeruch, einseitiger Ausfluss
NasenrachenpolypenMeist bei jungen Katzen; schnarchende, röchelnde Atmung, manchmal Kopfschiefhaltung
Tumor in der NaseVor allem bei älteren Katzen; einseitiger, oft blutiger Ausfluss, Schwellung im Gesicht
GaumenspalteBei Kitten; Milch oder Futter kommt aus der Nase
KurznasigkeitExtrem kurznasige Perser und Exotic: enge Nasenlöcher und Atemwege, schnaufende Atmung
AllergieBei Katzen selten die Ursache für Niesen; Allergien zeigen sich meist an Haut und Verdauung

Bei Katzen äußern sich Allergien – anders als beim Menschen – überwiegend über Juckreiz, Hautentzündungen oder Verdauungsbeschwerden. Ein „Heuschnupfen“ mit Niesen ist möglich, aber deutlich seltener, als viele denken. Auch eine Futtermittelallergie führt kaum je zu Niesen. Wer bei ständigem Niesen gleich das Futter wechselt, übersieht leicht eine Infektion. Mehr zu Allergien steht unter Pollenallergie bei Katzen.

Junge Katze sitzt miauend im Gras
Draußen im Gras kann auch mal eine Granne in der Nase landen

Was Sie selbst tun können

  1. Beobachten. Wie oft niest die Katze, seit wann, ist der Ausfluss klar, gelb, grün oder blutig, ein- oder beidseitig? Frisst und trinkt sie?
  2. Reize reduzieren. Duftstoffe weg, staubarme Streu, lüften, nicht rauchen in der Wohnung.
  3. Nase sauber halten. Verkrustetes Sekret vorsichtig mit einem weichen Tuch und lauwarmem Wasser abtupfen.
  4. Appetit anregen. Eine verstopfte Nase nimmt Katzen den Geruch und damit oft den Appetit. Leicht angewärmtes, stark riechendes Nassfutter hilft vielen.
  5. Getrennt halten. Bei Verdacht auf Katzenschnupfen eigene Näpfe und nach dem Anfassen Hände waschen, damit sich andere Katzen nicht anstecken.

Geben Sie keine Nasentropfen, Erkältungsmittel oder Schmerzmittel für Menschen. Paracetamol ist für Katzen hochgiftig, auch Ibuprofen und ASS sind gefährlich. Ätherische Öle zum Inhalieren sind für Katzen ebenfalls ungeeignet.

Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss

Sofort, wenn die Katze mit offenem Maul atmet, schwer oder angestrengt Luft holt, wenn die Schleimhäute bläulich sind oder wenn ein Kitten mit Schnupfen schwach wird und nicht trinkt.

Innerhalb eines Tages, wenn die Katze nicht mehr frisst. Katzen, die länger als etwa 24 Stunden nichts fressen, können eine lebensgefährliche Leberverfettung entwickeln, besonders übergewichtige Tiere.

In den nächsten Tagen, wenn das Niesen länger als zwei, drei Tage anhält, wenn gelber, grüner oder blutiger Ausfluss auftritt, der Ausfluss nur aus einem Nasenloch kommt, die Augen verklebt sind, die Katze Fieber hat oder matt wirkt, oder wenn das Niesen immer wiederkehrt.

Was der Tierarzt untersucht

Der Tierarzt hört Lunge und Herz ab, misst die Temperatur, sieht sich Maul, Zähne und Augen an. Bei Verdacht auf Katzenschnupfen kann ein Abstrich zeigen, welche Erreger beteiligt sind. Bei langwierigem oder einseitigem Niesen folgen oft Röntgen oder Computertomographie des Kopfes und eine Nasenspiegelung unter Narkose, bei der sich auch Fremdkörper und Polypen entfernen lassen.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache: Bei Katzenschnupfen stehen Flüssigkeit, Fütterung, Inhalation mit Kochsalzlösung und je nach Befund Antibiotika gegen bakterielle Begleitinfektionen oder antivirale Augentropfen im Vordergrund. Zahnprobleme, Polypen und Fremdkörper werden meist operativ behoben.

Vorbeugen

Der beste Schutz ist die Grundimmunisierung gegen Katzenschnupfen im Kittenalter mit den empfohlenen Auffrischungen. Neue Katzen sollten erst nach einem Gesundheitscheck zu den vorhandenen ziehen. Stress schwächt die Abwehr und lässt Herpesviren wieder aufflammen – ruhige Abläufe helfen gerade chronisch verschnupften Katzen. Und für alle gilt: keine Raumdüfte, wenig Staub, frische Luft. Unsere Empfehlung: Gelegentliches Niesen beobachten und gelassen bleiben, anhaltendes Niesen mit Ausfluss dagegen früh abklären lassen.

Häufige Fragen

Kann sich meine Katze bei mir erkälten?

Nein. Die typischen Schnupfenviren des Menschen befallen Katzen nicht, und die Erreger des Katzenschnupfens sind für Menschen ungefährlich. Allerdings können Sie Katzenschnupfen-Erreger an Händen und Kleidung von einer fremden Katze nach Hause tragen.

Ist Niesen nach der Impfung normal?

Nach Schleimhautimpfstoffen, die in die Nase gegeben werden, ist leichtes Niesen für einige Tage möglich. Nach einer gespritzten Impfung ist Niesen dagegen nicht typisch. Hält es an oder kommt Fieber hinzu, fragen Sie in der Praxis nach.

Warum niest meine Perserkatze so oft?

Extrem kurznasige Katzen haben enge Nasenlöcher und verformte Nasenmuscheln. Sie atmen schlechter, schnarchen häufiger und bekommen leichter Entzündungen und Tränenfluss. Mit einer empfindlicheren Nase hat das wenig zu tun, mit der Zucht dagegen viel. Mehr unter Die Perser Katze.

Hilft ein Luftbefeuchter?

In sehr trockener Heizungsluft kann ein Luftbefeuchter das Niesen verringern und verklebte Nasen entlasten. Er muss aber regelmäßig gereinigt werden, sonst verteilt er Keime. Gegen Katzenschnupfen ersetzt er keine Behandlung.